Man darf es als Aufgabe der Sportwissenschaft begreifen, die Sportpraxis vor der Anwendung von Konzepten zu warnen, die jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehren. In genau diesem Sinne haben wir uns kritisch mit dem von Wolfgang Schöllhorn (1999) vorgeschlagenen Ansatz des Differenziellen Lernens (DL) auseinandergesetzt, nach dem Bewegungslernen extrem variabel – im Idealfall ohne jedwede Wiederholung – und ohne technikbezogene Rückmeldungen gestaltet werden sollte (siehe Foto und Video). In konzeptbezogenen Beiträgen (Künzell & Hossner, 2012, 2013) haben wir hierzu aufgezeigt, dass die behaupteten Praxiskonsequenzen weder theoretisch noch empirisch begründet sind, die Abgrenzung zu konkurrierenden Lerntheorien lücken- und fehlerhaft ausfällt und der Ansatz auch aus Praxissicht nicht trägt. Zudem erbrachten wir den experimentellen Nachweis, dass Interventionen, in denen – im diametralen Widerspruch zu den Annahmen des DL-Ansatzes – Lösungsvarianten strukturiert dargeboten und Bewegungsausführungen korrigiert werden, entsprechenden DL-Interventionen überlegen sind (Hossner et al., 2016a,b; für eine unabhängige metaanalytische Bestätigung siehe Tassignon et al., 2021). Wir empfehlen daher, Bewegungslernen im Sport in einer Weise zu gestalten, die der aktuellen motorikwissenschaftlichen Theoriediskussion entspricht (siehe z.B. Hossner et al., 2020; mit einem Fokus auf variables Üben: Hossner & Zahno, 2022).