Doktoratsprogramm "Problemorientierte Sportwissenschaft"

Das zusammen mit dem Institut für Sportwissenschaft der Universität Tübingen konzipierte Doktoratsprogramm (2017-2020) wird in der Förderperiode 2021-2024 durch das Karlsruher Institut für Technologie und die Technische Universität München erweitert. 

Positionspapier zur Philosophie des Doktoratsprogramm (PDF, 17KB)
Position paper on the philosophy of the doctoral program (PDF, 14KB)

Die (noch junge) Sportwissenschaft gehört zu den Fächern, die ihr Selbstverständnis in hohem Masse aus ihrer Gegenstandsorientierung gewinnen. Daher bilden Phänomene, die im gesellschaftlichen Teilsystem Sport zu beobachten sind, den Ausgangspunkt sportwissenschaftlicher Forschung. Die damit einhergehenden Forschungsprobleme sind häufig so komplex, dass eine interdisziplinäre Herangehensweise angezeigt ist. Im Kontrast dazu steht die Sportwissenschaft nach wie vor wissenschaftspolitischen Anforderungen gegenüber, die eher durch disziplinäre Zugänge und einer Orientierung an der jeweiligen Mutterdisziplin (z.B. Sportpsychologie → Psychologie) zu erfüllen sind. Die Chance auf Akzeptanz in der Scientific Community und damit die Chance auf erfolgreiche Drittmittelakquise und gut platzierte Publikationen scheint bei einer engeren Orientierung an einer etablierten Mutterwissenschaft lukrativer zu sein. Gleichzeitig besteht aber die Gefahr, dass mit einer engen mutterwissenschaftlichen Ausrichtung der Gegenstand der Sportwissenschaft aus dem Blickfeld gerät. Aus einer Wissenschaft, deren Grundanliegen „ein besserer Sport“ (Ommo Grupe) war, könnte somit eine relativ unverbundene Ansammlung von Teildisziplinen werden, deren Orientierung am Gegenstandsbereich Sport zunehmend an Bedeutung verliert. Dies würde gleichsam bedeuten, dass der gesellschaftliche Impact der Sportwissenschaft zurückgehen würde.

Mit dem Doktoratsprogramm "Problemorientierte Sportwissenschaft" planen die beteiligten Institutionen ein Programm weiterzuführen und zu erweitern, welches das Erreichen sowohl eines hohen wissenschaftlichen als auch eines hohen gesellschaftlichen Impacts zum Ziel hat. Als Voraussetzung für einen hohen wissenschaftlichen Impact wird dabei eine qualitativ hochstehende theoretisch-methodische Fundierung der Forschungsarbeiten gesehen. Der gesellschaftliche Impact soll dadurch erreicht werden, dass sich die Forschungsarbeiten an der „Oberhoheit des Phänomens“ („supremacy of phenomena“, Magnusson, 1992) und damit an konkreten Phänomenen und Problemstellungen des Sports orientieren, womit die Chance verbunden wird, Forschungsergebnisse zu erzielen, die zur Lösung von Problemen aus der Praxis des Sports beitragen können.

Das Programm soll für die Doktorierenden einen Mehrwert auf verschiedenen Ebenen erzeugen:

  • Verbesserte Betreuungssituation durch mehrere Tutor*innen aus unterschiedlichen Einrichtungen und aus unterschiedlichen sportwissenschaftlichen Teildisziplinen;
  • Möglichkeit zur Vernetzung mit anderen Doktorierenden und mit internationalen Expert*innen;
  • Anregung des problemorientierten und interdisziplinären Denkens und interdisziplinärer Kooperationen;
  • Erhöhung der Visibilität der Promotionsabschlüsse;
  • Sensibilisierung für ethische und wissenschaftstheoretische Fragen einer problemorientierten und interdisziplinären Sportwissenschaft.

Die Überlegungen zur Interdisziplinarität und zur Problemorientierung bilden den forschungsparadigmatischen Rahmen und sollen in übergeordneten Kolloquien vertieft werden. Darüber hinaus sollen – mit Blick auf Heckhausens 1987 formulierter Forderung, dass wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn im engen Sinne nur disziplinär erfolgen kann; auch monothematische bzw. monodisziplinäre Kolloquien angeboten werden, ohne dabei allerdings auf interdisziplinären Austausch gänzlich zu verzichten.

Das Programm besteht aus unterschiedlichen Typen von Kolloquien:

Fächerübergreifende 3-tägige Summer School, die jährlich stattfindet. Diese Veranstaltung ist für alle Mitglieder des Doktoratsprogramms verpflichtend. Drei unterschiedliche Inhalte sind geplant:

  • Fächerübergreifende Grundlagen einer interdisziplinären Sportwissenschaft (z.B. Problem-/Anwendungsorientierung, gesellschaftliche Verantwortung, - Interdisziplinarität, forschungsethische und wissenschaftstheoretische Themen);
  • Thematisch (z.B. Talentforschung, empirische Schulsportforschung, Organisationsentwicklung) und/oder disziplinär (z.B. Sportsoziologie, -psychologie, -medizin) enger angelegte Workshops, in denen u.a. auch einzelne Dissertationsvorhaben besprochen werden; 
  • special interest groups, die als eigenaktiv gestaltete Sessions eine konkrete Vernetzungs- und Austauschmöglichkeit bieten, um die Inhalte der Summer School an die Bedürfnisse der Doktorierenden gezielt anzupassen.

2-tägige (fach- oder themen-)spezifische Satelliten-Workshops, in denen jeweils ein Teil der Studierenden des Doktoratsprogramms teilnehmen werden.

Die Summer School wird betreut durch die Professor*innen der beteiligten Institutionen, die Workshops werden betreut durch ca. 2 Personen aus diesem Kreis. Zusätzlich werden die Doktorierenden in den Summer Schools in der Regel durch 3 externe Expert*innen, die als Referent*innen und Tutor*innen fungieren, unterstützt.

Die erste Summer School fand vom 29. Juni bis 1. Juli 2017 in Tübingen (D) statt. Einen Erfahrungsbericht finden Sie hier.

Die zweite Summer School fand vom 27. Juni bis 29. Juni 2018 in St. Moritz statt. Einen Erfahrungsbericht finden Sie hier.

Vom 9. bis 13. April 2018 fand ein internationaler PhD Workshop zum Thema "Culture, Sport & Society". Den Erfahrungsbericht finden Sie hier

Die dritte Summer School fand vom 4. bis 6. Juli 2019 in Grafenhausen (D) statt. Einen Erfahrungsbericht (in Englisch) finden Sie hier

Die für 2020 geplante Summer School wurde aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt.

Vom 24. bis 26. März 2021 findet ein online PhD Workshop im Bereich Sportsoziologie und -management statt.

Die erste Summer School der Förderperiode 2021-2024 findet vom 23.-25. Juni 2021 in digitaler Form statt.

Teilnahmeberechtigt sind Doktorierende, die von einem habilitierten Mitglied der beteiligten Institute betreut werden.

Wer sich für ein Doktoratsstudium am ISPW interessiert, nimmt direkt mit dem*der entsprechenden Professor*in Kontakt auf.

Weitere Auskünfte zum Doktoratsprogramm erteilen der inhaltliche Leiter des Programms, Prof. Dr. Mirko Schmidt sowie die Koordinatorin des Doktoratsprogramms, Sofia Anzeneder.

Inhaltlicher Leiter

Koordinatorin