Forschungsstelle Gewalt bei Sportveranstaltungen

Gewalttätige Auseinandersetzungen mit und zwischen Fans bei Sportveranstaltungen haben in den letzten Jahrzehnten viel Aufmerksamkeit erregt und zu zahlreichen Bemühungen geführt, das Auftreten von Gewalt zu verringern. So wurde etwa das Hooligan Konkordat eingeführt, welches die Durchführung von Spielen an gewisse Auflagen binden kann (bspw. eine Anreise aller Fans mit dem Extrazug). Ein anderes Beispiel ist die „Good Hosting“ Strategie der Swiss Football League, die sich zum Ziel gesetzt hat die Fans als Gäste zu empfangen und nicht mehr durch ein martialisches Sicherheitsaufgebot beim Stadioneingang abzuschrecken. Die Massnahmen, die auf verschiedenen Ebenen von der Polizei, den Ligen und Vereinen, der Fanarbeit koordiniert und eingeführt wurden, bedürfen jedoch einer wissenschaftlichen Begleitung und Weiterentwicklung. Dies ist die Aufgabe der Forschungsstelle Gewalt bei Sportveranstaltungen.

Die Forschungsstelle wurde im Mai 2017 mit der der Unterstützung der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren KKJPD, dem Bundesamt für Verkehr BAV, den Schweizerischen Bundesbahnen SBB, der Swiss Football League SFL und der Swiss Icehockey Federation SIHF am Institut für Sportwissenschaft der Universität Bern gegründet. Sie kann sich auf umfangreiche Erfahrungen im Rahmen des Forschungsprojekts „Dynamik der Gewalteskalation am Beispiel des Fussballstadions“ zurückgreifen, für welches die Projektgruppe bestehend aus Prof. Dr. Roland Seiler, Dr. Alain Brechbühl und Dr. Annemarie Schumacher Dimech verantwortlich war. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts wurden im Rahmen eines Symposiums im Sommer 2016 der Öffentlichkeit präsentiert und führten im Nachgang zur weiteren Zusammenarbeit.

Die Forschungsstelle forscht im Bereich des Managements von Sportfans im Fussball und Eishockey. Sie identifiziert „Good Practices“, evaluiert Massnahmen und Konzepte und berät die involvierten Stakeholder. Auch der internationale Austausch wird von der Forschungsstelle gepflegt. Ziel ist die stetige Verbesserung und Weiterentwicklung im Management von Sportfans in der Schweiz, was letztlich zu einer Reduktion der gewalttätigen Auseinandersetzungen beitragen soll. Dank dem engen Kontakt mit den Partnern fliessen dabei aktuelle Erkenntnisse direkt in die Praxis ein.

16. Mai 2018 Gespräch über Fanausschreitungen im ‘Echo der Zeit’

Zum Abschluss der Fussballsaison interviewte Radio SRF in der Sendung «Echo der Zeit» am 16. Mai den Leiter der Forschungsstelle Gewalt bei Sportveranstaltungen, Prof. Dr. Roland Seiler, über Ursachen von und Massnahmen gegen Fan-Ausschreitungen. Das Interview kann unter dem Link : https://www.srf.ch/play/radio/popupaudioplayer?id=82500fd9-da79-42d5-800b-2278c4e8a7e2  gehört werden.

26. März 2018 Medienberichte zur Veröffentlichung der Gewaltvideos aus Zürich

Im Rahmen der gewaltsamen Zusammenstösse verfeindeter Zürcher Fans in den letzten Monaten sowie der Veröffentlichung des Videos der Stadtpolizei Zürich zu einem Angriff von FCZ Fans auf GC Zürich Fans am 28. Februar 2018 wurde Dr. Alain Brechbühl von verschiedenen Medien zur aktuellen Situation und möglichen Ursachen befragt. Dazu gehört ein Artikel der NZZ am Sonntag vom 4. März 2018 (PDF, 1.3 MB) sowie ein Beitrag in Schweiz Aktuell auf SRF vom 23. März 2018 (https://www.srf.ch/sendungen/schweiz-aktuell/fangewalt-offene-rechnungen-kultureller-austausch).

11. März 2018 Start Pilotphase des Projekts «Evaluation Good Hosting»

Die Forschungsstelle Gewalt bei Sportveranstaltungen hat am 11.03. mit der Pilotphase zum neu entwickelten Forschungsprojekt «Evaluation Good Hosting» gestartet. Dabei soll das Good Hosting Konzept der Swiss Football League genauer analysiert werden in Bezug auf seine Umsetzung und seine Wirkung in den verschiedenen Schweizer Stadien der Super League. Das Good Hosting Konzept ist ein Konzept, welches den Umgang mit den Fans konkretisiert. Es besteht aus fünf Elementen: (1) freundlicher Empfang, (2) fliessender Einlass, (3) stichprobenartige Kontrollen der Besucher, (4) konsequente Täterverfolgung mittels moderner Videoüberwachung, (5) Identifikation & Bestrafung von fehlbaren Personen. Das Projekt wird voraussichtlich bis Ende März 2019 dauern. Dabei sollen Daten von möglichst vielen Super League Stadien erhoben werden.

24. Februar 2018 ENABLE Observation in Sunderland (UK)

Am 24.02. durfte Alain Brechbühl an einer ENABLE UK Spielbeobachtung teilnehmen. Dabei wurde der Polizeieinsatz rund um das Hochrisikospiel der 2. Liga Sunderland AFC – FC Middlesborough beobachtet. Das Team bestand aus hochrangigen Polizisten aus England sowie dem Leiter von ENABLE UK Prof. Clifford Stott von der Keele University. Der Personalaufwand für den Polizeieinsatz war für Schweizer Verhältnisse sehr hoch. Rund um das Spiel blieb die Situation zwischen den beiden Fanlagern, sowie zwischen Fans und Polizei, aber friedlich. Direkt nach dem Spiel wurden die Beobachtungen der verschiedenen Teilnehmer zusammengetragen. Weitere Spiele folgen, wodurch Quervergleiche zwischen verschiedenen Einsatzkonzepten ermöglicht werden. Auch die Forschungsstelle Gewalt bei Sportveranstaltungen will ab Mai 2018 erste Spielbesuche nach ähnlichem Konzept organisieren.

1) Personalaufwändige Fantrennung bei den Gästefans im Stadion
2) Gästefans aus Middlesborough bei ihrer Besammlung in einem Klub in Sunderland
3) Alain Brechbühl vor dem Stadion in Sunderland

14. September 2017 Reise nach Manchester

Der Projektverantwortliche Dr. Alain Brechbühl reiste im September nach Manchester um an der Kick-Off Veranstaltung von ENABLE Research in Grossbritannien teilzunehmen. ENABLE ist ein loses Netzwerk, welches sich das Ziel gesetzt hat „Good Practice“ im Management von Sicherheitsfragen rund um Fussballspiele der höchsten Spielklasse in Schweden zu identifizieren. Das Netzwerk wird aktuell international ausgebaut und neuerdings auch in Grossbritannien implementiert. Ziel der Reise war das Kennenlernen des Netzwerks und die Initiierung des internationalen Austauschs. Eine weitere Zusammenarbeit des Netzwerks mit der Forschungsstelle ist zurzeit in Planung.

1. Mai 2017 Gründung Forschungsstelle Gewalt bei Sportveranstaltungen

Am 1. Mai 2017 nahm die Forschungsstelle Gewalt bei Sportveranstaltungen offiziell ihre Arbeit auf. Angesiedelt am Institut für Sportwissenschaft der Universität Bern, betreibt die Forschungsstelle praxisorientierte Forschung im Bereich Management von Sportfans im Fussball und Eishockey.

Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren KKJPD
Bundesamt für Verkehr BAV
Schweizerische Bundesbahnen SBB
Swiss Football League SFL
Swiss Ice Hockey Federation SIHF