„Welcher Sport passt zu mir?“ – Differenzielle Sportberatung im höheren Erwachsenenalter

Leitung: Prof. Dr. Achim Conzelmann
Mitarbeiterinnen: Vera Molinari, Julia Schmid, Daniela Wyss, Denise Hofstetter
Förderung: Stiftung Suzanne und Hans Biäsch zur Förderung der Angewandten Psychologie
Laufzeit: November 2012-Dezember 2013

Der Gesundheitsnutzen sportlicher Aktivität ist mittlerweile allgemein bekannt. Dennoch sind viele Personen, gerade im höheren Erwachsenenalter (≥ 65 Jahre), zu wenig sportlich aktiv. Interventionen und Massnahmen zur Sportförderung im gesamten Erwachsenenalter, wie z. B. Sportberatungen, gewinnen daher an Bedeutung. Zwar belegen Studien, dass Sportförderungsmassnahmen zu Veränderungen des Sportverhaltens führen, diese aber nicht nachhaltig sind. Ein Grund dafür liegt in der fehlenden differenziellen Perspektive d. h. es wird zu wenig berücksichtigt, dass es DEN Menschen sowie DEN Sport nicht gibt. Jede Person hat ihre individuellen Handlungsvoraussetzungen und es existiert eine Vielfalt an Sportaktivitäten. Besonders die sportbezogenen Ziele und Motive stellen dabei bedeutsame Handlungsvoraussetzungen dar.

Mit dem originalen Berner Motiv- und Zielinventar (BMZI) liegt ein validiertes, deutschsprachiges Testinventar zur Erfassung der sportbezogenen Motive und Ziele im mittleren Erwachsenenalter (35-65 Jahre) vor. Aus entwicklungswissenschaftlicher Perspektive ist jedoch anzunehmen, dass sich die Ziele und Motive im Verlauf des Lebens verändern und daher das BMZI nicht auf das höhere Erwachsenenalter übertragbar ist. An diesem Punkt setzten die ersten Studien des Projekts „Welcher Sport passt zu mir?“ an: In mehreren Schritten wurde der originale BMZI-Itempool adaptiert und an insgesamt 822 Personen im höheren Erwachsenenalter getestet. Daraus resultierte ein zielgruppenspezifischer Fragebogen (BMZI-HEA) mit 27 Items. Mit dem BMZI-HEA liegt erstmals ein valides, reliables und ökonomisches Testinventar zur Erfassung der sportbezogenen Motive und Ziele im höheren Erwachsenenalter vor. Es kann im Rahmen von differenziellen Sportberatungen, welche optimale Passungsverhältnisse zwischen der Person und der sportlichen Aktivität anstreben, genutzt werden oder zur inhaltlichen Anpassung von Sportprogrammen an die Ziele und Motive der Teilnehmenden. Denn Studien im Rahmen der differenziellen Wohlbefindensforschung im Sport zeigen, dass durch die Passung von Person und Angebot das Wohlbefinden der Sporttreibenden gefördert und darauf aufbauend die Bindung an sportliche Aktivitäten gesteigert werden kann.

Das höhere Erwachsenenalter wurde bis anhin in der differenziellen Wohlbefindensforschung im Sport kaum untersucht. Daher führten wir innerhalb des Projekts „Welcher Sport passt zu mir?“ zusätzlich eine Feldstudie in Kooperation mit der Pro Senectute Region Bern durch, um die Wirkung sportlicher Aktivität auf das aktuelle Befinden der Teilnehmenden zu analysieren. In unserer Feldstudie zeigten sich mehrheitlich positive Effekte auf die Befindlichkeit im Verlauf der untersuchten Seniorensportkurse. Dennoch wiesen einige Personen keine oder eine negative Befindensveränderung auf. Des Weiteren stellten sich das Kompetenzerleben, das Befinden zu Beginn der Sportaktivität sowie bei differenziellen Analysen der Belastungsintensität die Wichtigkeit einzelner sportbezogener Ziele als bedeutsame Einflussfaktoren der Befindlichkeit während der Sportaktivität heraus. Unsere Feldstudie liefert erste Erkenntnisse zur differenziellen Beschreibung und Erklärung der Wirkung von Sportaktivitäten auf das aktuelle Befinden im höheren Erwachsenenalter, welche als Grundlage für zukünftige Gesundheitsverhaltensforschung dienen können.

Weiterführende Informationen zum Projekt entnehmen Sie bitte den Publikationen: