Leistungsmotiviertes Verhalten im Sport: Konstruktion und Validierung eines Beobachtungsrasters - LEMOVIS

 
Projektleitung: Prof. Dr. Achim Conzelmann und Dr. Claudia Zuber
ProjektmitarbeiterIn: Nina Schorno, Michael Schmid
Förderung: Bundesamt für Sport (BASPO), Swiss Olympic
Projektdauer: Januar 2016 – Dezember 2017 (Individual- und Teamsportarten)
                       Dezember 2017 – Juni 2018 (Mannschaftssportarten)

 

Trainerinnen und Trainer müssen regelmässig entscheiden, welche ihrer Athletinnen und Athleten den Sprung in das nächsthöhere Kader schaffen. Die Leistungsmotivation der einzelnen Sportlerinnen und Sportler stellt dabei ein wichtiges Kriterium dar, das für die Talententwicklung und den späteren Erfolg wegweisend sein kann. Zur Erfassung der Leistungsmotivation existieren Selbstbeurteilungsverfahren oder Fragebögen, die sich auf das Trainerurteil stützen. Die vorhandenen Instrumente weisen alle spezifische Vor- und Nachteile auf, wobei insbesondere die soziale Erwünschtheit bei der Selbstbeurteilung und die nicht Beobachtbarkeit der Motivausprägungen der Athletinnen und Athleten durch die Trainer problematisch sind.

Ziel des 2016 gestarteten Forschungsprojekts ist es, einen Fragebogen zu konstruieren, mit dem leistungsmotiviertes Verhalten von Nachwuchsathletinnen und -athleten verschiedener Sportarten zuverlässig durch den Trainer eingeschätzt und erfasst werden kann. Mit der Entwicklung des Trainerfragebogens LEMOVIS sollen so die bisher vorhandenen Instrumente zur Erfassung der Leistungsmotivation ergänzt werden. Der Fokus liegt dabei auf dem Nachwuchsleistungssport, da im Jugendalter in den meisten Sportarten die wegweisenden Selektionsentscheidungen gefällt werden.

Die Fragebogenkonstruktion basiert auf dem Handlungs-Häufigkeits-Ansatz nach Buss und Craik (1983) und erfolgt in mehreren Schritten. In einem ersten Schritt (Phase 1) werden TrainerInnen unterschiedlicher Sportarten befragt, welche Verhaltensweisen sie als besonders leistungsmotiviert ansehen. Diese genannten Verhaltensweisen werden in der darauffolgenden Phase (Phase 2) von weiteren TrainerInnen sowie Sportpsychologinnen und -psychologen dahingehend beurteilt, inwiefern sie wirklich leistungsmotiviertes Verhalten abbilden. In der letzten Projektphase (Phase 3) wird der konstruierte Fragebogen an einer weiteren Stichprobe von TrainerInnen und deren AthletInnen bezüglich Konstrukt- und Kriteriumsvalidität überprüft. Dafür werden zur Untersuchung der Kriteriumsvalidität die Resultate der Trainerbeurteilungen von LEMOVIS mit Leistungskriterien verglichen. Mit dem Vergleich der Fremd- und Selbstbeurteilung sowie anderen etablierten Motivfragebögen oder projektiven Verfahren wird andererseits die Konstruktvalidität bestimmt.

Damit soll es möglich sein, zu beantworten, inwiefern AthletInnen und TrainerInnen in ihren Einschätzungen übereinstimmen und ob das leistungsmotivierte Verhalten einen Zusammenhang mit sportlichem Erfolg bzw. sportlicher Leistung hat.

Die Auswertungen führten zu einem Beobachtungsraster mit 10 Items. Diese können den Faktoren Eigeninitiative, Erfolgsorientierung und Leistungsbereitschaft zugeteilt werden. Eigeninitiative meint, etwas aus eigener Initiative und aus eigenem Interesse zu tun. Der Anstoss zur Handlung kommt von der Person selbst und eine Verhaltensweise wird selbstbestimmt durchgeführt. Die Person ist also intrinsisch motiviert. Es ist zu erwarten, dass sich intrinsisch motivierten Personen, der Aufgabe häufig und ausdauernd zuwenden. Bezogen auf den sportlichen Kontext bedeutet dies, dass eine Athletin oder ein Athlet aus Interesse an der sportlichen Aktivität ihre bzw. seine Ziele ausdauernd verfolgt. Erfolgsorientierte Personen lassen sich damit charakterisieren, dass sie stets auf die (Sport-)Karriere oder auf Erfolg bedacht sind und nach gesteckten Zielen streben. Es geht erfolgsorientierten AthletInnen darum, einen Wettkampf zu gewinnen. Dabei spielen auch emotionale Komponenten eine Rolle. Werden die selbstgesetzten Ziele nicht erreicht, reagiert die Athletin unzufrieden. Der Begriff Leistungsbereitschaft deutet darauf hin, dass jemand für eine anstehende Leistung bereit ist und auch den Willen hat, diese Leistung zu erbringen. Eine Athletin oder ein Athlet hat also den Willen, für ein sportliches Ziel hart zu arbeiten und versucht eine Aufgabe immer wieder zu lösen. Mit der Leistungsbereitschaft eng verknüpft ist auch der Trainingsfleiss, der mit unermüdlicher Arbeit gleichzusetzen ist.

Aufgrund der geringen Teilnahmequote von TrainerInnen aus Mannschaftssportarten sind diese Resultate vorerst nur für Individual- und Teamsportarten repräsentativ. Deswegen wird das Beobachtungsraster LEMOVIS-I (I für Individualsportarten) genannt.

Aktuell wird geprüft, ob sich LEMOVIS-I auch auf Mannschaftssportarten übertragen lässt, oder ob eine angepasst Version des Beobachtungsrasters notwendig ist.
 

Publikationen: 

Die Ergebnisse von LEMOVIS-I in einer Kurzzusammenfassung:

Eine ausführlichere Version:

Ein Testmanual für den Einsatz von LEMOVIS-I wird in Kürze hier aufgeschaltet.