Doktoratsprogramm „Interdisziplinäre (problemorientierte) Sportwissenschaft“ Bern-Tübingen

Das zusammen mit der Universität Tübingen konzipierte Doktoratsprogramm „Interdisziplinäre (problemorientierte) Sportwissenschaft“ wird von swissuniversities im Rahmen der „Doktoratsprogramme universitäre Hochschulen 2017-2020 TP1“ für vier Jahre mit einem namhaften Betrag unterstützt. Damit kann eines der wenigen international ausgerichteten Doktoratsprogramme innerhalb der Sportwissenschaft aufgebaut werden.

Die (noch junge) Sportwissenschaft gehört zu den Fächern, die ihr Selbstverständnis in hohem Masse aus ihrer Gegenstandsorientierung gewinnen. Daher bilden Phänomene, die im gesellschaftlichen Teilsystem Sport zu beobachten sind, den Ausgangspunkt sportwissenschaftlicher Forschung. Die damit einhergehenden Forschungsprobleme sind häufig so komplex, dass eine interdisziplinäre Herangehensweise angezeigt ist. Im Kontrast dazu steht die Sportwissenschaft nach wie vor wissenschaftspolitischen Anforderungen gegenüber, die eher durch disziplinäre Zugänge und einer Orientierung an der jeweiligen Mutterdisziplin (z.B. Sportpsychologie → Psychologie) zu erfüllen sind. Die Chance auf Akzeptanz in der Scientific Community und damit die Chance auf erfolgreiche Drittmittelakquise und gut platzierte Publikationen scheint bei einer engeren Orientierung an einer etablierten Mutterwissenschaft lukrativer zu sein. Gleichzeitig besteht aber die Gefahr, dass mit einer engen mutterwissenschaftlichen Ausrichtung der Gegenstand der Sportwissenschaft aus dem Blickfeld gerät. Aus einer Wissenschaft, deren Grundanliegen „ein besserer Sport“ (Ommo Grupe) war, könnte somit eine relativ unverbundene Ansammlung von Teildisziplinen werden, deren Orientierung am Gegenstandsbereich Sport zunehmend an Bedeutung verliert. Dies würde gleichsam bedeuten, dass der gesellschaftliche Impact der Sportwissenschaft zurückgehen würde.

Mit dem Doktoratsprogramm „Interdisziplinäre (problemorientierte) Sportwissenschaft“ wird von den beteiligten Institutionen der Universität Bern und der Universität Tübingen ein Programm eingerichtet, das das Erreichen sowohl eines hohen wissenschaftlichen als auch eines hohen gesellschaftlichen Impacts zum Ziel hat. Als Voraussetzung für einen hohen wissenschaftlichen Impact wird dabei eine qualitativ hochstehende theoretisch-methodische Fundierung der Forschungsarbeiten gesehen. Der gesellschaftliche Impact soll dadurch erreicht werden, dass sich die Forschungsarbeiten an konkreten Phänomenen und Problemstellungen des Sports orientieren, womit die Chance verbunden wird, Forschungsergebnisse zu erzielen, die zur Lösung von Problemen aus der Praxis des Sports beitragen können.

Das Programm soll für die Doktorierenden einen Mehrwert auf verschiedenen Ebenen erzeugen:

  • Verbesserte Betreuungssituation durch mehrere Tutoren aus unterschiedlichen Einrichtungen und aus unterschiedlichen sportwissenschaftlichen Teildisziplinen
  • Möglichkeit zur Vernetzung mit anderen Doktorierenden und mit internationalen Experten
  • Anregung Interdisziplinären Denkens und interdisziplinärer Kooperationen
  • Erhöhung der Visibilität der Promotionsabschlüsse
  • Sensibilisierung für ethische und wissenschaftstheoretische Fragen einer interdisziplinären (problemorientierten) Sportwissenschaft

Die Überlegungen zur Interdisziplinarität und zur Problemorientierung bilden den forschungsparadigmatischen Rahmen und sollen in übergeordneten Kolloquien vertieft werden. Darüber hinaus sollen – mit Blick auf Heckhausens 1987 formulierter Forderung, dass wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn im engen Sinne nur disziplinär erfolgen kann – auch monothematische bzw. monodisziplinäre Kolloquien angeboten werden, ohne dabei allerdings auf interdisziplinären Austausch gänzlich zu verzichten.

Das Programm besteht aus zwei Typen von Kolloquien:

  1. Fächerübergreifende 3-tägige Summer-/Winterschool, die einmal jährlich stattfindet. Diese Veranstaltung ist für alle Mitglieder des Doktoratsprogramms verpflichtend. Zwei inhaltlich unterschiedliche Blöcke sind geplant:
    • Fächerübergreifende Grundlagen einer interdisziplinären (problemorientierten) Sportwissenschaft (z.B. Problem-/Anwendungsorientierung, gesellschaftliche Verantwortung, Interdisziplinarität, forschungsethische und wissenschaftstheoretische Themen)
    • Thematisch (z.B. Talentforschung, empirische Schulsportforschung, Organisationsentwicklung) und/oder disziplinär (z.B. Sportsoziologie, -psychologie, -medizin) enger angelegte Workshops, in denen u.a. auch einzelne Dissertationsvorhaben besprochen werden.
      Die Summerschool wird durch die Professorinnen/Professoren der beiden beteiligten Institutionen betreut. Zusätzlich werden die Doktorierenden in den Summerschools in der Regel durch externe Expertinnen/Experten, die als Referentinnen/Referenten und Tutorinnen/Tutoren fungieren, unterstützt.
  2. 2-tägige fach- oder themenspezifische Workshops, in denen jeweils ein Teil der Studierenden des Doktoratsprogramms teilnimmt.
    Die Workshops werden von ca. 2 Professorinnen/Professoren und je nach Bedarf von weiteren Tutorinnen/Tutoren betreut.

Die erste Summerschool findet vom 29. Juni bis 1. Juli 2017 in Tübingen (D) statt.

Zum Doktoratsprogramm sind alle an der Universität Bern oder Universität Tübingen als Doktorierende eingeschriebenen Studierenden zugelassen, die von einem/einer in das Doktoratsprogramm involvierten Professoren/Professorin betreut werden.

Wer sich für ein Doktoratsstudium am ISPW interessiert, nimmt direkt mit dem/der entsprechenden Professoren/Professorin Kontakt auf.

Folgende Professoren beteiligen sich bisher am Doktoratsprogramm

Universität Bern

Prof. Dr. Achim Conzelmann (Leiter Doktoratsprogramm)
Prof. Dr. Ernst-Joachim Hossner
Prof. Dr. Siegfried Nagel
Prof. Dr. Roland Seiler

Universität Tübingen

Prof. Dr. Oliver Höner
Prof. Dr. Gorden Sudeck
Prof. Dr. Ansgar Thiel

Weitere Auskünfte zum Doktoratsprogramm erteilen der inhaltliche Leiter des Programms, Prof. Dr. Achim Conzelmann sowie die Koordinatorin des Doktoratsprogramms, Dr. Claudia Zuber.

Inhaltlicher Leiter

Koordinatorin